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Sonntag, 22. März 2020

Mein Trip nach LA in der Corona Zeit - Teil 6


Tag 6

 

Am nächsten Mittag, es war Sonntag, 15. März, bezahlte ich die Hotelrechnung und liess mir ein Taxi bestellen. Ich wollte so schnell wie möglich zum Flughafen kommen. Falls plötzlich eine Ausgehsperre verhängt würde. Inzwischen wusste ich, dass Trump sehr schnell handeln kann. Als ich das Hotel verliess, strahlte mich die berühmte Kalifonische Sonne zum ersten Mal, seit ich da war.  Was für eine Ungerechtigkeit, dachte ich. Jetzt scheint sie, wenn ich weggehen muss.  Auf dem Weg zum Flughafen sprach weder der Taxifahrer noch ich ein Wort. Plötzlich sah ich das Schild «Bewerly Hills». Ich sah durch das Fenster. Hohe Palmen säumten die Strasse, hinter den wunderschönen Vorgärten, reihten sich Villen.  Trotz Corona waren immer noch viele Leute mit dem Fahrrad oder zu Fuss unterwegs. Ich fühlte mich traurig und niedergeschlagen.  Ich wollte so vieles in LA sehen! Doch ich erhaschte nur diesen flüchtigen Augenblick und war bereits auf dem Weg nach Hause. Nach drei Tagen!

Am Flughafen herrsche kein Chaos wie ich es erwartet hatte. Business as usual, obwohl auffällig viele Leute mit Masken herumliefen – nicht nur die Asiaten. Überall gab es Stellen wo man Hände desinfizieren konnte. Die Flughafenangestellte sahen wie immer aus. Sie trugen weder Gesichtsmasken noch Handschuhe. Rasch passierte ich das Check-In und die Sicherheitskontrolle. Um 13:30 Uhr sass ich bereits in einem Restaurant und ass zu Mittag. Ich liess mir Zeit, es gab noch 4 Stunden zum totschlagen. Aber so richtig geniessen konnte ich das Essen nicht. Die Angst sass die ganze Zeit im Nacken: Wird mein Flug doch noch im letzten Augenblick gecancelt? Ich wollte auf keinen Fall im LA bleiben. Jetzt wo ich im Reisemodus war, wollte ich nur noch nach Hause.

Der Flug verlief wunderbar, es war ein ganz neues, modernes Flugzeug. Ich glaube es war Boing 737. Ich sass gleich hinter der Business Klasse, vor mir war die Wand, links von mir sass niemand, in der ganzen Reihe. Die Sitze waren breiter als normal. Es waren bessere Plätze die man zusätzlich bezahlen musste.

Wir erreichten London am nächsten Mittag, Lokalzeit. Sehr viele Menschen trugen Gesichtsmasken. Per Lautsprecher wurde man ständig erinnert, die Hände zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen.  Es gab überall Stellen wo man Hände desinfizieren konnte. Aber sonst war alles normal. Auch hier musste ich 5 Stunden warten bis es weiter ging. Die meiste Zeit verbrachte ich in den Sozialen Medien. Immer mit dem Damoklesschwert über dem Kopf, ob der Flug gecancelt wird.

Um 18 Uhr durften wir endlich einsteigen. Ich konnte bei meiner Buchung keinen besseren Platz ergattern. Ich bekam den zweitletzten Platz. Die Maschine war klein und überfüllt. Überall wurde gehustet oder geniesst. Fast jeder zweite trug eine Gesichtsmaske. Von «Social Distancing» keine Rede. Wie sollte es auch? Leute sassen dicht gedrängt, wie Sardinen in der Konserve. Und jeder wahr froh, noch rechtzeitig geschafft zu haben. Ich stellte mich schlafend, nahm weder den Snack noch das Getränk das angeboten wurde.

Nach etwas mehr als einer Stunde landeten wir in Zürich. Ich war in der Schweiz! Jetzt konnte nichts mehr schief gehen. Ich erwischte sofort einen Zug nach Luzern. In meinem Wagon war ich der einzige Passagier. Irgendwann kam die Meldung, dass die Billette wegen der Ausbreitung des Corona Viruses nicht mehr kontrolliert werden. Ich fühlte mich angekommen – mitten in der Apokalypse. In diesem Augenblick wurde mir klar warum ich eigentlich nach LA geflogen bin, obwohl ab nächstem Tag der Flugverkehr eingestellt werden sollte. Nicht nur wegen des Geburtstags von Alejandro. Es war eine Flucht. Flucht aus der Corona Panik die in der Schweiz herrschte. Ich dachte, dass in Amerika noch lange nicht so weit sein würde wie bei uns. Doch ich habe mich getäuscht. Das Virus ist schneller als ich um die Welt gegangen. Ich war nun zurück und es war immer noch da – das Virus, die Panik, das Gefühl der Apokalypse.

Doch die Reise hatte auch etwas Gutes. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Menschen bei denen ich mich zu Hause gefühlt hatte. Den temperamentvollen Vater von Alejandro, der wunderschön singen kann.  Seine freundliche Tante, die die besten Tortillas mit Zimt macht. Seine 4 Schwestern, den Bruder und die Nichten und Neffen die eine wunderbare Party in einem wunderschönen Haus organisiert hatten. Auch einige Freunde von Alejandro wurden zu meinen Freunden. So angesehen hat sich die Reise gelohnt. Danke Alejandro, mein Freund, dass du mich mit diesen tollen Menschen zusammengebracht hast.  

Ach ja! Ich habe im Teil 1 versprochen zu erzählen wer Alejandro ist und wie unsere Freundschaft zu Stande kam. Das werde ich euch morgen erzählen…

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